Linux-Distributionen
Linux ist zwar nett, aber ja nur ein Kernel. Normalerweise sucht man sich die Programme nicht alle im Internet zusammen und baut sich sein System alleine auf, sondern besorgt sich eine Distribution. Eine Distribution ist praktisch ein fertig geschnürtes Paket mit meist hunderten von Programmen, oft auch mit Installations-, Konfigurations- und einem Updateprogramm. Und natürlich mit mehr oder weniger guter Dokumentation. Die Hauptaufgabe einer Distribution besteht meiner Meinung nach im Verwalten der Programmpakete. Und dort gibt es definitiv große Unterschiede...
Meine erste Distribution war eine SuSE 6.4. Bis zur SuSE 8.1 bin ich den Nürnbergern treu geblieben. Ich habe
zwar immer auch mal andere Distris ausprobiert (Red Hat, Mandrake, Debian, etc.), bin aber eigentlich mit SuSE
am zufriedensten gewesen. Ich würde auch heute jedem Linux-Anfänger SuSE empfehlen.
Was mir an SuSE nicht so gut gefiel, war, dass man sich ständig die neueste Version besorgen und updaten
musste - das klappte mal besser und mal schlechter... Außerdem patcht SuSE immer wie blöd am System rum,
hat wild gepatchte Kernel und von KDE will ich lieber ganz schweigen... Und die Administration läuft eigentlich
nur über Yast, welches dann irgendwelche Scripte anpasst. Das Ganze ist zwar für Anfänger sehr nett, aber
verbirgt das eigentliche System vor den Nutzern - SuSE hat nicht ohne Grund den Spitznamen "Nürnberger
Windows"...
Irgendwann hatte ich die Nase voll und ich habe nach etwas neuem geguckt. Dabei dachte ich an ein System, dass sich nicht selbst durch irgendwelche mir unbekannten Skripte administriert und was ich problemlos updaten konnte. Ich dachte erst an Debian, konnte mich jedoch nicht mit den ständig veralteten Paketen anfreunden. Außerdem hat Debian eine sehr strenge Definition von freier Software und unterstützt nur direkt diese.
Meine Distribution sollte folgende Wünsche erfüllen:- große Auswahl an Softwarepaketen
- einigermaßen aktuelle Softwarepakete
- vorzugsweise Unterstützung für unfreie Software (nvidia-Treiber, Java, Adobe Reader, Cedega, Spiele etc.)
- System sollte updatebar sein
- große Distri, die nicht bald wieder verschwindet und die eine große Community hat
- vernünftigen Support in Form von Foren, IRC und Dokumentation
- sollte sich an Standards orientieren
- die Programme sollten möglichst unverändert bleiben und nicht "totgepatcht" werden
- das Paketmanagement sollte sich vernünftig um Abhängigkeiten kümmern und diese ggf. auch wieder deinstallieren können
All diese Bedingungen erfüllte mir Gentoo (extern), welches zwar auch einige Nachteile hat, aber die Vorteile überwogen für mich zu der Zeit. Das kippte irgendwann, nachdem ich aber sehr viel mit Gentoo gelernt hatte. Mir wurde die ganze Administration zu aufwendig, das ewige Kompilieren und ggf. anschließende Fehler suchen dauerte mir zu lange. Ich brauchte eine neue Distribution, die zwar ähnlich wie Gentoo, aber leichter und schneller zu administrieren sein sollte. Diese Distribution fand ich in Archlinux (extern), zu der auch viele andere Gentoo-Anwender wechselten.
Was ist das Besondere an Archlinux? Arch ist eine binäre Distribution, die genau wie Gentoo Rolling Releases
hat. Es gibt also nicht alle halbe Jahr ein neues Arch, sondern die Pakete werden einzeln aktualisiert,
sobald ein neues erscheint. Macht zwar etwas Administrationsaufwand, dafür bin ich immer aktuell. Und da
die Pakete binär sind, hält sich der Aufwand extrem in Grenzen.
Ganz wichtig: Beim Aktualisieren des Systems erhält Arch meine Konfiguration und ich kann diese an die
neuen Programmversionen anpassen. Und wenn mir die vorgefertigten Binärpakete nicht gefallen, kann ich
sie sehr einfach selber kompilieren.
Genau so leicht kann ich mir eigene Kompilierungsskripte für nicht vorhandene Pakete schreiben. Und jetzt kommt der Hammer: Diese Kompilierungsskripte sind nicht wie bei Gentoo auf 1000 Webseiten verteilt, sondern in einem eigens dafür vorgesehenen Repositorium (extern). Wenn bei den vielen Paketen in den Binär-Repositorien also mal eines fehlt, findet man das mit hoher Wahrscheinlichkeit dort. Aber im Normalfall muss man nichts selber kompilieren, die wichtigen und viele unwichtige Sachen liegen schon binär vor, was enorm viel Zeit spart!
Alles in allem ist Arch eine Distribution, die mir Arbeit abnimmt, aber mir die Entscheidungen lässt. Auffällig ist auch die sehr nette und sehr aktive Community. Durch das Rolling Release muss man aber doch etwas häufiger Updaten als es bei anderen Distributionen der Fall ist. Wenn man das nicht möchte, sondern nur eine Distribution, die "einfach läuft", ist man wahrscheinlich mit Ubuntu oder SuSE immer noch besser bedient.